Die Woche, welche die Welt veränderte V/VI

 

«Wer sich seiner Vergangenheit nicht erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen», sagte schon George Santayana. Auch wenn es damals eine ganz andere Zeit war, tauchen beim sorgfältigen Reflektieren viele Parallelen auf zum heutigen US/China Konflikt. Wir können es uns nicht erlauben, diese zu ignorieren.

 

Parallelen bei der Ausgangslage

Bedrohung
Damals war der Kommunismus eine effektive Bedrohung, ebenso wie das Risiko eines atomaren Krieges zwischen den beiden Supermächten. Dies war ein wichtiger Auslöser für die Bereitschaft Amerikas, Verhandlungen zu führen. Die Sowjetunion war im Aufschwung und eine erneute Annäherung zwischen China und der Sowjetunion hätte der Geschichte möglicherweise einen ganz anderen Spin gegeben.

Auch heute schwebt wieder das Damoklesschwert eines Krieges über uns, diesmal eines Krieges direkt zwischen China und den USA. Obwohl die Wahrscheinlichkeit für ein solches Ereignis, welches die ganze Welt mitreissen dürfte, als gering betrachtet werden kann, ist aufgrund der verehrenden Auswirkungen auch die kleinste Wahrscheinlichkeit nicht akzeptabel. Krieg wollen heute weder China noch die Vereinigten Staaten. Obwohl man das Kriegsbeil nicht absichtlich ausgraben wird, ist ein unbeabsichtigtes Hineinschlittern in einen weltumspannenden heissen Konflikt dennoch möglich. Hier sei auf die Ereignisse verwiesen, die zum ersten Weltkrieg führten. Daher besteht erneut eine Bedrohung, diesmal jedoch nicht von eine Drittpartei. Abgewandt werden muss sie trotzdem und erneut braucht es ein Abkommen. Es gilt noch viel stärker als damals, dass eine neue Vereinbarung im pessimistischsten Fall besser ist, als die verheerende Alternative, auch wenn es auf beiden Seiten ein paar Kröten zu schlucken gibt. 

Taiwan-Krise
Damals wie heute gilt für die PRC, die Peoples Republic of China, dass es ein China gibt und Taiwan zwingend ein Teil davon ist. Kein chinesischer Leader wird jemals davon abweichen. Es ist wieder einmal die Taiwan-Frage, die die Gemüter erhitzt und das Pulverfass entzünden könnte. Eine Lösung ist dringend notwendig. Es ist nicht einfach, eine solche zu finden, aber für die USA ist es einfacher als 1972. Sie haben damals der Republic of China, bzw. Taiwan und Chiang Kai-Shek 30 Jahre lang die Treue gehalten, aber aufgrund der Umstände haben sie Taiwan wie eine heiße Kartoffel fallen lassen.

Ideologie und Werte
Damals waren die beiden Parteien in allen Aspekten meilenweit voneinander entfernt, vor allem aufgrund von fast 25 Jahren ohne direkten Kontakt. Heute haben die Ideologie, wie auch der Nationalismus im Verhältnis zu wirtschaftlichen Zielen wieder an Momentum gewonnen. Der wirtschaftliche Erfolg bleibt aber nach wie vor das Mass aller Dinge.

Vertrauen
Zu Nixons Zeiten war das Vertrauen zwischen beiden Ländern völlig zerstört oder gar nicht vorhanden. Dennoch konnten die beiden Parteien über ihren Schatten springen und ein Abkommen abschliessen. Mit Trump/Biden Amerika ist das Vertrauensverhältnis stark angekratzt. Es ist auch wichtig zu verstehen, dass die Vorkommnisse der letzten vier Jahre nicht einfach ungeschehen gemacht werden können durch einige Meetings und etwas Reden. Das Aufstellen von messbaren Regeln, die beide Seiten akzeptieren können, ist aber absolut realistisch und einfacher zu bewerkstelligen. Es dürfte entsprechend auch nicht vier Jahre dauern, wie es beim Shanghai Communique der Fall war.

 

Um Lösungsansätze für die aktuellen Spannungen, basierend auf den Erfahrungen von 1972 geht es in meinem nächsten und letzten Blogpost dieser Serie: «Die Woche, welche die Welt veränderte VI/VI»

 

Weitere Blogposts dieser Serie:
«Die Woche, welche die Welt veränderte I/VI»
«Die Woche, welche die Welt veränderte II/VI»
«Die Woche, welche die Welt veränderte III/VI»
«Die Woche, welche die Welt veränderte IV/VI»

 

Unten finden Sie mein englisches Youtube Video zur Woche, welche die Welt veränderte

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