Vor allem bei den Lösungsansätzen können und müssen wir die Parallelen zwischen den 1970er Jahren und dem heutigen US/China Konflikt ziehen. Der Vergleich drängt sich nicht intuitiv auf, nimmt man sich jedoch Zeit und lässt sich darauf ein, dann drängen sich die entsprechenden Schlussfolgerungen auf.
Parellelen bei den Lösungsansätzen
- Gegenseitiger Respekt
Es sei hier der Anfang der Eröffnungsrede von US-Sicherheitsberater Henry Kissinger zitiert, die er anlässlich des ersten Treffens mit Premierminister Zhou Enlai gehalten hat:
«Wir sind uns natürlich bewusst, dass es zwischen uns tiefe ideologische Unterschiede gibt. Sie setzen sich dafür ein, dass sich Ihre Konzepte durchsetzen, wir haben unsere Überzeugungen für die Zukunft. Die wesentliche Frage für unsere Beziehung ist, ob beide Länder bereit sind, die Geschichte urteilen zu lassen, wer Recht hat. In der Zwischenzeit befassen wir uns gemeinsam mit Angelegenheiten von gegenseitigem Interesse auf der Grundlage gegenseitigen Respekts und der Gleichberechtigung aller Menschen.»
Genau diese Denkweise braucht es auch heute.
- Sich darauf zu einigen, unterschiedliche Meinungen zu haben.
Der Vorsitzende Mao hatte im Rahmen des Shanghai-Kommuniqués eine für beide Seiten tragbare Lösung vorgeschlagen. Die eine Partei legte zuerst ihre Sichtweise auf diesem Papier dar, danach die andere. In einer dritten Sektion folgten gemeinsame Aussagen, die beide Seiten teilen konnten. Genau das muss auch heute der Ansatz sein. Hier präsentiert der langjährige China-Kenner und Ex-Premierminister Australiens, Kevin Rudd, in seinem neuesten Buch «The Avoidable War» eine realistische Lösung, die diesem Ansatz entspricht: Definition der roten Linien, die nicht überschritten werden dürfen, Festlegung der Bereiche, in denen Wettbewerb stattfinden soll, und schliesslich Auflistung der Themen, bei denen Zusammenarbeit möglich ist.
- Stille Diplomatie
Ein Erfolgsfaktor des Shanghai-Kommuniqués war, dass alles lange Zeit geheim gehalten wurde und nichts an die Öffentlichkeit durchsickerte. Selbst das US-Aussenministerium wurde ausgespart. Dies muss auch der Ansatz für eine neue Vereinbarung zwischen den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China sein. So sieht es auch China-Experte Kevin Rudd.
Die Herausforderungen, einen gangbaren Weg für das Zusammenleben zu finden, sind gross, aber das Risiko eines Krieges ist auf jeden Fall keine Option. Eine Lösung zu finden, war vor 50 Jahren eine größere Herausforderung. Dank Henry Kissinger und Zhou Enlai konnte dies bewältigt werden. Vielleicht laufen die Gespräche hinter verschlossenen Türen bereits auf Hochtouren. Lasst es uns hoffen.
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