Die Woche, welche die Welt veränderte III/VI

In den vier Jahren zwischen Nixons Auftrag an Kissinger, die Beziehungen zur Volksrepublik China zu verbessern, und der Unterzeichnung des Shanghai-Kommuniqués im Jahr 1972, bestand ein erhebliches Risiko des Scheiterns. Das Hauptverdienst liegt bei Henry Kissinger und Premierminister Zhou Enlai. Ihre Handlungen und ihr Verhalten waren entscheidend für den Erfolg.

Das erste Treffen zwischen Kissinger und Zhou war das Auschlaggebendste

Das erste Treffen zwischen dem nationalen Sicherheitsberater der USA, Kissinger, und Premierminister Zhou Enlai fand vom 9. bis 11. Juli in Beijing statt und legte den Grundstein für den Erfolg. Nach Angaben von Kissinger verbrachten sie 17 Stunden in Gesprächen. Der chinesische Premierminister und langjährige, brillante Diplomat zog alle Register und schuf eine Atmosphäre der Wärme und des Vertrauens. Es gab eine offene Debatte, und die beiden Diplomaten verstanden sich auf Anhieb. Es gelang ihnen, Ideologien und Ressentiments beiseite zu schieben und sich auf Augenhöhe zu begegnen. Der jüngere und weniger erfahrene amerikanische Diplomat war beeindruckt von Zhous umfassenden Kenntnissen über die Vereinigten Staaten und von Zhous Aufgeschlossenheit und Offenheit. Ich zitiere aus Kissingers Memo an Nixon: «Neben Charles de Gaulle ist Zhou Enlai der beeindruckendste Staatsmann, dem ich je persönlich begegnet bin.» Die akademische Laufbahn des amerikanischen Staatsmannes und sein umfassendes historisches Wissen trugen wahrscheinlich dazu bei, den chinesischen Premierminister für sich zu gewinnen.

Schlüsselmomente im diplomatischen Dialog zwischen den beiden Wegbereitern der Annäherung

Bei dem Treffen wurden die Kernpunkte eines künftigen Abkommens festgelegt. Für die PRC, die People’s Republic of China, war das zentrale Element die Lösung der Taiwan-Frage und die Bestätigung der Ein-China-Politik. Kissinger bestätigte, dass die Vereinigten Staaten dazu bereit seien, um die Beziehungen zur PRC zu normalisieren. Er wies jedoch auch darauf hin, dass dies nicht das einzige Thema sein könne. Für die Vereinigten Staaten habe die Lösung der Indochina-Frage oberste Priorität, sagte er. Die USA wollten ihre Truppen so gesichtswahrend wie möglich aus Vietnam abziehen und benötigten Chinas Unterstützung bei der Aushandlung eines Abkommens mit Nordvietnam. Der Premierminister bestätigte, dass er sein Möglichstes tun würde, äusserte jedoch Zweifel, ob es den Amerikanern möglich sein würde, Vietnam auf gesichtswahrende Weise zu verlassen. Damit waren die Pflöcke eingeschlagen, und der Rohbau stand. In weiteren Gesprächen ging es nun darum, das Unterfangen zum einen erfolgreichen Abschluss zu bringen.

Wie Nixons China Besuch verlief und was vereinbart wurde lesen Sie in meinem nächsten Blogartikel: «Die Woche, welche die Welt veränderte IV/VI»

Weitere Blogposts dieser Serie
«Die Woche, welche die Welt veränderte I/VI»
«Die Woche, welche die Welt veränderte II/VI»
«Die Woche, welche die Welt veränderte V/VI»
«Die Woche, welche die Welt veränderte VI/VI»

Unten finden Sie mein englisches Youtube Video zur Woche, welche die Welt veränderte

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